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Assimilation bezeichnet in der Soziologie die Anpassung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen aneinander, wobei eine Unterscheidung von individueller Assimilation und der Assimilation von Gruppen für das Verständnis der Prozesse auf gesellschaftlicher Ebene grundlegend ist. Empirisch steht die Anpassung einer Minderheit an die Mehrheit im Vordergrund. Assimilation kann auf kultureller (Übernahme von Sprache, Bräuchen und Sitten), struktureller (Platzierung auf dem Arbeitsmarkt, im Schulsystem u.ä.), sozialer (Kontakt zu Mitgliedern anderer Gruppen) und emotionaler Ebene (Identifikation mit den anderen Gruppen) erfolgen. Umstritten ist, ob es sich beim Konzept der Assimilation um ein gezieltes “Aufzwingen” der Eigenschaften und Einstellungen der dominanten Gesellschaft (“Dominanzkultur”) handelt oder ob Assimilation lediglich empirische Voraussetzung zur Erreichung gleicher Lebenschancen darstellt, ohne dass damit eine Wertung der Eigenschaften von Minderheiten verbunden wäre.
Akkommodation (französisch für Anpassung) bedeutet in der Lernpsychologie das Zuordnen einer Wahrnehmung zu vorhandenen Wahrnehmungsschemata, das bereits für ähnliche Wahrnehmungen verwendet wird. Dadurch wird eine Wahrnehmung verallgemeinert und als bekannt eingestuft. Akkomodation ist nach Jean Piaget eine von zwei Arten der kognitiven Anpassung und dient der Herstellung eines Gleichgewichtszustandes (Äquilibration). Das Gegenteil von Akkomodation ist die Assimilation (französisch für Angleichung), die Anpassung der inneren Welt durch Schaffen eines neuen Wahrnehmungsschemas. Piaget spricht von Assimilation, wenn ein Mensch gezwungen ist, sein Wissen zu erweitern, um Wahrnehmungen zu differenzieren.
Uni macht dann wirklich Spaß, wenn Zusammenhänge deutlich werden. Habe gestern fleißig gelesen und abends mit Benni für seine Prüfung geübt. Klasse war, dass er die selben Modelle in der Ausbildung behandelt hat und wir darüber hinaus noch versucht haben, die Inhalte mit der Thematik “Enuresis” und “Enkopresis” zu verknüpfen. Hier ein kurzer Überblick über die verschiedenen Entwicklungstheorien:
Kognitive Entwicklung nach Piaget:
Jean Piaget wurde 1896 in der Schweiz geboren und war Entwicklungspsychologe und Epistemologe.
1.Sensomotorisches Stadium (0-2 Jahre)
Erwerb von sensomotorischer Koordination, praktischer Intelligenz und Objektpermanenz; OBjektpermanenz aber noch ohne innere Repräsentation
2. Präoperationales Stadium (2-7 Jahre)
Erwerb des Vorstellungs- und Sprechvermögens, gezeichnet durch Realismus, Animismus und Artifizialismus (zusammenfassend: Egozentrismus)
3. konkretoperationales Stadium (7-11 Jahre)
Erwerb von Dezentrierung, Invarianz, Reversibilität, Seriation, Klasseninklusion und Transitivität
4. formaloperationales Stadium (ab 12 Jahre)
Erwerb der Fähigkeit zum logischen Denken und der Fähigkeit Operationen auf Operationen anzuwenden
5. Methoden-Kritik: Denken reflektiert sich selbst methodenkritisch
Die vier Stadien zeichnen sich durch folgende Charakteristika aus:
- die Stadien folgen aufeinander; ein Stadium muss durchlaufen sein, bevor das nächste erreicht werden kann
- die Stadien sind universell, das heißt in allen Kulturen vorhanden
- Abgrenzung der Stadien durch qualitative, nicht durch quantitative Merkmale
- durch Assimilation und Akkommodation wird eine bessere Anpassung (Adaption) der Menschen an die durch die Umwelt gegebenen Tatsachen angestrebt. Insbesondere Akkommodation geschieht, wenn durch neue Erfahrungen ein Ungleichgewicht zwischen den bereits aufgebauten kognitiven Strukturen und realen Situationen festgestellt wird. Diese beiden Prozesse werden durch Reifung, durch Erfahrung und durch Erziehung angeregt und dies führt zum Durchlaufen der einzelnen kognitiven Stadien.
Psychosexuelle Entwicklungsphasen nach Freud:
Sigmund Freud wurde 1856 in Tschechien geboren. Er war ein bedeutender österreichischer Arzt und Tiefenpsychologe, der als Begründer der Psychoanalyse und Religionskritiker Bekanntheit erlangte.
Orale Phase (1. Lebenshalbjahr)
Mundregion ist das primäre Bezugsorgan. Säuglinge lutschen viel an Daumen/Zehen. Durch den normalen Gebrach, wie zum Beispiel Essen und Trinken oder durch künstliche Reizung kommt es zu einer Spannungsreduktion (verminderte libidinöse Triebspannung) und zum Auftreten von Lustgefühlen. Störungen in dieser Phase führen zu Persönlichkeitsmerkmalen, aufgrund derer viel von anderen gefordert wird. Auf die orale Phase fixierte Menschen zeichnen sich durch eine geringe Frustationstoleranz aus und geben schnell auf.
Narzisstische Phase (2. Lebenshalbjahr)
Das Kind entdeckt den eigenen Körper und entwickelt dabei Lustgefühle (Autoerotismus). Dieses Verhalten ist die Urform der Selbstliebe (Narzissmus). Störungen in dieser Phase können im Erwachsenenalter zu geringem Selbstbewusstsein und wenig Selbstachtung führen.
Anale Phase (2.-3. Lebensjahr)
Die Lust wird in dieser Phase anfangs durch das Ausscheiden am After produziert. Später geschieht dies auch durch das zurückhalten der Exkremente. Es kommt zu einem spannungsvollen Zustand zwischen Hingabe und zurückhalten. In dieser Phase lernt das Kind Kontrollmechanismen und übt eine erste Anpassung an die Umwelt aus. Störung in dieser Phase können zu zwanghaften oder manischen Persönlichkeitstypen führen. Diese zeichnen sich durch starke Unterdrückung von Aggressionen, Überkontrolliertheit, Geiz und extreme Reinlichkeit aus. Es kommt bei manischen Persönlichkeiten zu einer starken Trennung zwischen Vorstellungen und tatsächlichen Gefühlen.
Phallische Phase (4.-5. Lebensjahr)
In dieser Phase werden die Genitalien zur erogenen Zone. Jungen stellen fest, dass bei Mädchen der Penis fehlt und führen dies auf eine Bestrafung zurück. Daraus entwickelt sich eine Kastrationsangst; bei Mädchen kommt es zu Penisneid. Beziehung zu den Eltern wird durch Ödipuskomplex bestimmt. Es treten Rivalitätsgefühle mit dem gleichgeschlechtlichen Elternteil auf, der andersgeschlechtliche wird geliebt. Auf der anderen Seite fürchtet das Kind den Verlust der Liebe des gleichgeschlechtlichen Elternteils. Dieser Konflikt wird durch die Unterdrückung der sexuellen Wünsche beigelegt. In dieser Phase kommt es zur Übernahme geschlechtlicher Moralbegriffe und zur Entwicklung des Über-Ich (Gewissen). Störungen in dieser Zeit können zu einer hysterischen Persönlichkeitsstruktur führen. Diese ist durch auffälliges sexuelles Gebahren gekennzeichnet, das aber im Widerspruch zur ängstlichen, passiven Grundstruktur steht, die sexuelle Kontakte zu meiden versucht. Hysteriker sind meist selbstbewusst und energisch-impulsiv.
Latenzphase (6.-7. Lebensjahr)
Scheinbare Unterbrechung der sexuellen Entwicklung. Sexuelle Regungen werden abgewehrt und verdrängt. Spielkameraden sind vor allem vom gleichen Geschlecht. In dieser Phase werden die Anforderungen der Umwelt verinnerlicht.
Genitale Phase (8. Lebensjahr bis zur Pubertät)
Wiederaufleben der Sexualität und des Ödipuskomplexes, sowie Hinwendung zum anderen Geschlecht. Eine beschleunigte körperliche und intellektuelle Reifung steht einer verzögerten emotionalen Reifung gegenüber. Die Pubertät ist eine stark konfliktgeladene Phase voller motorischer und innerer Unruhe.
Stufen der Entwicklung des moralischen Urteils nach Kohlberg:
Interessant ist hierbei auch, dass es sich bei Lawrence Kohlberg um einen Schüler Piagets handelt, der seine Theorien auch auf dessen Erkenntnissen basierend konstruiert. Kohlberg wurde 1927 in den USA geboren. Er war Psychologe und Professor für Erziehungswissenschaften an der Harvard Universität.
Ebene 1: Präkonventionelle Morale (die meisten Kinder unter neun Jahre)
1. Stufe (hetronome Stufe): Fremdbestimmte Moral, Egozentrismus; Lust-Schmerz-Orientierung; Vermeiden von Strafe; “Macht ist recht.” Es ist rechtens, Regeln einzuhalten, deren Übertretung mit Strafe sanktioniert wird. Gehorsam als Selbstwert. Personen oder Sachen keinen Schaden zuzufügen. Moralisches Handeln, um Bestrafung durch Autoritäten zu vermeiden.
2. Stufe (Stufe des Individualismus): Individualismus, naiver Hedonismus; Kosten-Nutzen-Orientierung, Belohnung und Strafe; „Eine Hand wäscht die andere“.
Ebene 2: Konventionelle Moral (die meisten Jugendlichen und Erwachsenen)
3. Stufe (Stufe gegenseitiger interpersoneller Erwartungen): Beziehungen, Konformität mit anderen; Braves-Kind-Orientierung, Anerkennung gewinnen; „Was du nicht willst, das man dir tu`, das füg` auch keinem anderen zu“
4. Stufe (Stufe des sozialen Systems und Gewissens): Recht-und-Ordnung-Orientierung, Regeln befolgen.
Ebene 3: Postkonventionelle Moral (einige Erwachsene über 20 Jahre)
5. Stufe (Stufe des Sozialvertrags): Sozialer Kontrakt; Einsatz für die Gemeinschaft, Gesetze sind nicht absolut.
6. Stufe (Stufe universeller ethischer Prinzipien): Vernunft und Moral, Gleichberechtigung aller Menschen. Hier trifft Immanuel Kants Kategorischer Imperativ zu: „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.“
Dieses Stufenmodell beschreibt die kognitive Entwicklung, nicht jedoch zwangsläufig die emotionale oder die Entwicklung des Handelns. Wissen wird nicht unbedingt in Handeln umgesetzt. Nach Kohlberg ist es nicht möglich, Stufen zu überspringen oder auszulassen. Denken auf einer höheren Stufe schließt Denken auf der darunterliegenden jedoch nicht aus (hierarchische Integration). Niemand kann eine moralische Stufe überhaupt nur als sinnvoll erfassen, die um mehr als eine Stufe höher liegt als die, die man gerade erreicht hat. Mit 16 Jahren sind die meisten Menschen heute auf Stufe 4 angelangt, etwa 25 Prozent erreichen im Laufe ihres Lebens die Stufe 5. Was höhere Stufen laut Kohlberg attraktiv macht, ist, dass sie es ermöglichen, verzwickte ethische Probleme erfolgreicher zu lösen. Aufgaben, in denen solche Problemsituationen besprochen werden, haben sich darum als sehr erfolgreich für die Schulung erwiesen. In weiteren Forschungen wurde die universelle Gültigkeit dieser Abläufe bei allen Völkern und zu allen Zeiten nachgewiesen. Zur Entwicklung sind Dilemmata nötig. Das höchste Ziel der Entwicklung ist die universale Gerechtigkeit und eine majorisierende Äquilibration.
Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung nach Erikson:
Erik Homburger Erikson wurde 1902 in Deutschland geboren und war Deutsch-Amerikanischer Psychoanalytiker und Vertreter der psychoanalytischern Ich-Psychologie. Er gilt als Neufreudianer.
Stufe 1: Oralsensorische Phase; Urvertrauen vs. Urmisstrauen (1. Lebensjahr)
“Ich bin, was man mir gibt” ”Gefühl des Sich-Verlassen-Dürfens“ Kind angewiesen auf die Verlässlichkeit der Bezugspersonen. Die Bindung zu der Mutter und die damit verbundene Nahrungsaufnahme spielt eine bedeutende Rolle, da die erste Bezugsperson die Welt repräsentiert. Werden dem Kind Forderungen nach körperlicher Nähe, Sicherheit, Geborgenheit, Nahrung etc. verweigert, entwickelt es Bedrohungsgefühle und Ängste, da eine weitgehende Erfüllung dieser Bedürfnisse lebenswichtig ist. Zum Anderen verinnerlicht es das Gefühl, seine Umwelt nicht beeinflussen zu können und ihr hilflos ausgeliefert zu sein. Hier entsteht die Gefahr der Etablierung eines Ur-Misstrauens. Es können infantile Ängste des „Leergelassenseins“ und „Verlassenwerdens“ entstehen. Fixierung durch zu starke orale Frustration: zeigen sich in oralen Charakterzügen wie Reizhunger, Gier, Leere-Gefühle, Depression, Ur-Misstrauen, starke Abhängigkeitswünsche.
Stufe 2: Muskuläranale Phase; Autonomie vs. Scham und Zweifel (2. bis 3. Lebensjahr)
“Ich bin, was ich will” ”entscheidend für das Verhältnis zwischen Liebe und Hass, Bereitwilligkeit und Trotz, freier Selbstäußerung und Gedrücktheit“. Zunehmende Autonomieentwicklung des Kindes und ihre Bedeutung für die Manifestierung eines positiven Selbstkonzeptes/Identität. Die Bedingung für Autonomie wurzelt in einem festen Vertrauen in die Bezugspersonen und sich selbst, setzt also die Bewältigung der Phase „Vertrauen versus Misstrauen“ voraus. Das Kind muss das Gefühl haben, Explorieren oder seinen Willen durchsetzen zu dürfen, ohne dass dadurch der erworbene „Schatz“ des Vertrauenkönnens und Geborgen-Seins in Gefahr gerät. Emotion Scham eine wichtige Rolle. Die weitgehende oder permanente Einschränkung der explorativen Verhaltensweisen des Kindes führt dazu, dass es seine Bedürfnisse und Wünsche als schmutzig und nicht akzeptabel wahrnimmt. Was sich beim Kind etabliert ist schließlich Scham und der Zweifel an der Richtigkeit der eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Fixierungen ergeben sich durch strenge Erziehung und zeigen sich in zwanghaften Charakterzügen: kleinlich oder geizig in Bezug auf Liebe, Zeit und Geld. Betonung von Recht und Ordnung, Pünktlichkeit und Fleiss. Perfektionistische Ansprüche. Frühreifes strenges Gewissen, sehr selbstkritisch. Unsicherheit und Zweifel an sich selbst. Putzzwang oder Waschzwang.
Stufe 3: Phallische Phase; Initiative vs. Schuldgefühl (3. bis 6. Lebensjahr)
“Ich bin, was ich mir vorstellen kann zu werden” Findet das Kind mit vier oder fünf Jahren zu einer bleibenden Lösung seiner Autonomieprobleme, steht es bereits vor der nächsten Krise. Er legt hier seinen Fokus stark auf die Bewältigung oder Nichtbewältigung des „Ödipuskomplexes“. Die symbiotische Beziehung zwischen Mutter und Kind öffnet sich und das Kind realisiert die Bedeutung anderer Personen im Leben der Mutter. Weiter geht es in erster Linie um eine gesunde Meisterung der kindlichen Moralentwicklung. Die Grundlage für die Entwicklung des Gewissens ist gelegt, das Kind fühlt sich unabhängig vom Entdecktwerden seiner „Missetaten“ beschämt und unwohl. „Aber vom Standpunkt der seelischen Gesundheit müssen wir darauf hinweisen, dass diese große Errungenschaft nicht von übereifrigen Erwachsenen überlastet werden darf; dies könnte sich sowohl für den Geist wie für die Moral selbst übel auswirken. Denn das Gewissen des Kindes kann primitiv, grausam und starr werden, wie sich gerade am Beispiel von Kindern beobachten lässt, die sich mit einer Abschnürung ihrer Triebe durch Verbote abfinden mussten. Gegebenenfalls verinnerlicht das Kind die Überzeugung, dass es selbst und seine Bedürfnisse dem Wesen nach schlecht seien. Im Gegenzug dazu das Kind, welches diese Krise bewältigen kann, als begleitet vom Gefühl „ungebrochener Initiative als Grundlage eines hochgespannten und doch realistischen Strebens nach Leistung und Unabhängigkeit“. Fixierungen können durch Angst und Schuldgefühle entstehen, die dann zu einer Selbsteinschränkung führen, gemäss den eigenen Fähigkeiten, Gefühlen, Wünschen zu leben. Es kann auch zu einer Überkompensation kommen, ständig initiativ sein zu müssen als bestehe ihr Wert nur in der eigenen Leistung. Schuldkomplexe, Übergewissenhaftigkeit sowie hysterische Symptome können hier ebenso entstehen.
Stufe 4: Latenzphase; Werksinn vs. Minderwertigkeitsgefühl (6. Lebensjahr bis Pubertät)
“Ich bin, was ich lerne” Kinder in diesem Alter wollen zuschauen und mitmachen, beobachten und teilnehmen; wollen, dass man ihnen zeigt, wie sie sich mit etwas beschäftigen und mit anderen zusammen arbeiten können. Das Bedürfnis des Kindes, etwas Nützliches und Gutes zu machen, bezeichnet Erikson als Werksinn bzw. Kompetenz. Kinder wollen nicht mehr „so tun als ob“ – jetzt spielt das Gefühl, an der Welt der Erwachsenen teilnehmen zu können, eine große Rolle. Demgegenüber steht in dieser Phase die Entwicklung eines Gefühls der Unzulänglichkeit und Minderwertigkeit. Dieses Gefühl kann sich immer dann etablieren, wenn der Werksinn des Kindes überstrapaziert wird. Überschätzung – ob vom Kind oder von seiner Umwelt ausgehend – führt zum Scheitern, Unterschätzung zum Minderwertigkeitsgefühl. Auf beiden Seiten (Werksinn und Minderwertigkeit) können Fixierungen entstehen: Überkompensation durch Arbeit und Leistung, Anerkennung vor allem über Leistung zu holen, Arbeits- und Pflichtversessenheit, Angst vor dem Arbeiten und Leisten, Angst vor Versagen.
Stufe 5: Pubertät und Adoleszenz; Identität vs. Identitätsdiffusion (Jugendalter)
“Ich bin, was ich bin” Identität bedeutet, dass man weiß, wer man ist und wie man in diese Gesellschaft passt. Aufgabe des Jugendlichen ist es, all sein Wissen über sich und die Welt zusammenzufügen und ein Selbstbild zu formen, das für ihn und die Gemeinschaft gut ist. Seine soziale Rolle gilt es zu finden. Ist eine Rolle zu strikt, die Identität damit zu stark, kann das zu Intoleranz gegenüber Menschen mit anderen Gruppenneigungen führen, die dann im Grunde “eliminiert” werden müssen, weil der Druck der eigenen Peer-Group zu groß wird und “den anderen [Fremden]” nicht akzeptieren kann. Mit einer noch nicht gefestigten eigenen Identität kann der Jugendliche sich im seltensten Fall von der Meinung seiner Peer-Group absetzen und seine eigene Meinung bilden. Schafft der Jugendliche es nicht, seine Rolle in der Gesellschaft und seine Identität zu finden, führt das nach Erikson zu Zurückweisung. Menschen mit dieser Neigung ziehen sich von der Gesellschaft zurück und schließen sich u. U. Gruppen an, die ihnen eine gemeinsame Identität anbieten. Wird dieser Konflikt erfolgreich ausbalanciert, so mündet das in die Fähigkeit der Treue. Obwohl die Gesellschaft nicht perfekt ist, kann man in ihr leben und seinen Beitrag leisten, sie zu verbessern. (Das gleiche gilt für zwischenmenschliche Beziehungen.) Fixierungen zeigen sich in unbefriedigender Identität durch Unruhe, ewige Pubertät und vorschnelle Begeisterung.
Stufe 6: Intimität vs. Isolierung (Frühes Erwachsenenalter)
“Ich bin, was mich liebenswert macht” Aufgabe dieser Entwicklungsstufe ist es, ein gewisses Maß an Intimität zu erreichen, anstatt isoliert zu bleiben. Die Identitäten sind gefestigt und es stehen sich zwei unabhängige Egos gegenüber. Es gibt viele Dinge im modernen Leben, die dem Aufbau von Intimität entgegen stehen (z. B. Betonung der Karriere, großstädtisches Leben, die zunehmende Mobilität). Wird zu wenig Wert auf den Aufbau intimer Beziehungen (was auch Freunde etc. mit einbezieht) gelegt, kann das nach Erikson zur Exklusivität führen, was heißt, sich von Freundschaften, Liebe und Gemeinschaften zu isolieren. Wird diese Stufe erfolgreich gemeistert, ist der junge Erwachsene fähig zur Liebe. Damit meint Erikson die Fähigkeit, Unterschiede und Widersprüche in den Hintergrund treten zu lassen. Fixierungen können sich zeigen in: Selbst-Bezogenheit und sozialer Isolierung, Selbstaufopferung und Verschmelzung mit anderen.
Stufe 7: Generativität vs. Stagnation (Mittleres Erwachsenenalter)
“Ich bin, was ich bereit bin zu geben” Generativität bedeutet die Liebe in die Zukunft zu tragen, sich um zukünftige Generationen zu kümmern, eigene Kinder großzuziehen. Erikson zählt dazu nicht nur eigene Kinder zu zeugen und für sie zu sorgen, er zählt dazu auch das Unterrichten, die Künste und Wissenschaften und soziales Engagement. Also alles, was für zukünftige Generationen “brauchbar” sein könnte. Stagnation ist das Gegenteil von Generativität: sich um sich selbst kümmern und um niemanden sonst. Zu viel Generativität heißt, dass man sich selbst vernachlässigt zum Wohle anderer. Stagnation führt dazu, dass andere uns ablehnen und wir andere. Niemand ist so wichtig wie wir selbst. Wird die Phase erfolgreich abgeschlossen, hat man die Fähigkeit zur Fürsorge erlangt, ohne sich selbst dabei aus den Augen zu verlieren. Fixierungen können sich zeigen: in einer übermässigen Bemutterung, in Leere und Langweile oder in zwischenmenschlicher Verarmung.
Stufe 8: Ich-Integrität vs. Verzweiflung (hohes Erwachsenenalter)
“Ich bin, was ich mir angeeignet habe” Der letzte Lebensabschnitt stellt den Menschen vor die Aufgabe, auf sein Leben zurückzublicken. Anzunehmen, was er getan hat und geworden ist und den Tod als sein Ende nicht zu fürchten. Das Gefühl noch einmal leben zu müssen, vielleicht um es dann besser zu machen, Angst vor dem Tod, führt zur Verzweiflung. Setzt sich der Mensch in dieser Phase nicht mit Alter und Tod auseinander (und spürt nicht die Verzweiflung dabei), kann das zur Anmaßung und Verachtung dem Leben gegenüber führen (dem eigenen und dem aller). Wird diese Phase jedoch erfolgreich gemeistert, erlangt der Mensch das, was Erikson Weisheit nennt – dem Tod ohne Furcht entgegensehen, sein Leben annehmen und trotzdem die Fehler und das Glück darin sehen können. Fixierung zeigt sich in Abscheu vor sich und anderen Menschen, unbewusste Todesfurcht.
