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Ich muss sagen, anfangs hat mich der Streik an meiner Uni ziemlich kalt gelassen. Ich hatte das Gefühl, es betrifft mich nicht wirklich und ich kann kaum etwas daran ändern. Aber langsam merke ich, dass es mir doch ziemlich wichtig ist, mich auch mit meiner Universität identifizieren zu können – und das ist es im Moment nicht. In Seminaren und Vorlesungen nehme ich Positionen wahr, die ich vertreten oder zumindest nachvollziehen kann; was hochschulpolitisch gerade in Hamburg passiert kann ich leider nicht mehr verstehen. Sehr treffend finde ich den Kommentar von Hans Wocken zum Bildungsstreik, gerade bezogen auf unsere Position als Sonderpädagogen:
“Entdemokratisierung: Die Neuordnung der universitären Organisationsstruktur hat u.a. zu einer Abschaffung der studentischen Mitbestimmung und – was mich besonders schmerzt – zu einer Liquidierung des Instituts für Behindertenpädagogik geführt. Das Institut für Behindertenpädagogik war und ist für einen eigenständigen Studiengang zuständig. Diese Verantwortlichkeit verlangt nach meinem Dafürhalten eine formell akkreditierte Institution innerhalb der Universität, in der kollegial beratschlagt und verbindlich entschieden werden kann, von der Lehrangebotsplanung über die Mittelvergabe und Stellenbesetzungen bis hin zur Strukturplanung. Das Institut wurde nun zu einem Kaffeekränzchen degradiert. In der neuen Top-Down-Universität ist die Mitbestimmung ihrer Mitglieder, der Professoren wie auch der Studierenden, unter die Räder gekommen. Eine entdemokratisierte Universität passt nicht zu meiner Biografie. Ich bin einmal als Alt-68er für eine Drittelparität auf die Straße gegangen! In der Excellenz-Universität werden die Talare wieder hervorgeholt und die „Kopf-Professuren“ von dem wissenschaftlichen Fußvolk getrennt.
Entpädagogisierung: Das neue BA-MA-Studium hat zu einer Gleichschaltung der Pädagogik mit den anderen universitären Disziplinen geführt. Die Studienstruktur trägt die Handschrift von Organisationssoziologen, Unternehmensberatern und technokratischer Bürokratie. Der neoliberale Zeitgeist ist versessen auf Messen, Evaluieren und Kontrollieren, er verschont weder die Integrationsklassen noch das Pädagogik-Studium mit Ziffernzensuren. Der wissenschaftliche Diskurs wird zurückgedrängt zugunsten von animationsreichen Präsentationen, gegoogelten Schreibarbeiten und allgegenwärtigen Prüfungen. Die gesamte Lernpsychologie von Holzkamp über Rogers und Freire bis hin zu den Konstruktivisten würde sich wohl im Grabe umdrehen angesichts der neuen repressiven Studienstrukturen. Das Produkt des neuen Studiums, so fürchte ich, sind kritiklose Wiederkäuer und lebensfremde Schriftgelehrte mit einer ausgeprägten Dyspraxie. Die BA-MA-Pädagogik hat von Lehrerbildung schlichtweg keine Ahnung; sie ist das Gegenstück meiner eigenen pädagogischen Philosophie.”













